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Microsofts Tablet-Offensive: Surface (Beurteilung)

19. Juni 2012

Windows 8 ist ein radikaler Schritt für Microsoft. Von Anfang an betont man die Symbiose zwischen Desktop- und Tablet-Betriebssystem und geht den Weg weiter, den man schon mit Windows Phone 7 eingeschlagen hat, das Metrodesign, und zwingt es den PC-Nutzern auf. Die grundsätzliche Designumstellung auf dem Desktop, indem alles etwas eckiger wird, mag noch kein Problem sein, der Umweg zum Desktop über das Metro-Startmenü, der sich nicht umgehen lassen soll, hingegen schon. Vielen Testern gefällt dies nicht, schließlich sind die Schaltflächen nicht für eine Bedienung mit Maus und Tastatur, sondern mit den Fingern ausgelegt.

Auf einem Tablet sieht die Sache dementsprechend schon ganz anders aus, denn dafür ist das Metro-UI gemacht. Auf einmal wirkt das neue Konzept stimmig und gefällt sogar, und das ist durchaus wichtig für Microsoft. Windows Phone 7, das Pate für das Metro-Design steht, wird von Nutzern und Fachleuten hoch gelobt, wirklich durchsetzen konnte es sich leider nicht (ca. 3-5% Marktanteil). Windows Phone 8 „Apollo“ soll es dann dieses Jahr noch richten, gemeinsam mit dem neuen „Hauptbetriebssystem“. Microsoft muss es schaffen, seine neue Richtung, sein neues Markengesicht, zu etablieren und Akzeptanz dafür schaffen.

Obwohl Surface sich in Konkurrenz zu Microsofts Partnern begibt, die ebenfalls Windows 8-Tablets anbieten werden, können diese durchaus davon profitieren, denn Surface könnte Windows 8-Tablets allgemein populärer machen, was die Verkaufszahlen insgesamt ankurbeln  und letztlich sogar auch Windows Phone zugute kommen würde. Google verfolgt mit seinen Nexus-Produkten einen ähnlichen Ansatz, und dort beschwert sich auch niemand. Denn Microsoft kann, gleichsam wie Apple und im Gegensatz zu Android, eine nahtlose Synchronisierung verschiedener Peripheriegeräte wie Notebook/PC, Smartphone und Tablet gewährleisten, so wie es schon die iCloud versucht.

Gerade im Tabletmarkt geht zudem noch viel, ganz anders als bei Smartphones, wo Google mit Android meilenweit die Nase vorne hat. Hier dominiert das iPad mit 60-70 Prozent, weil die Alternativen viele Nutzer nicht überzeugen. Tablets sind Luxusprodukte und Spaßgeräte, heißt es immer, nichts zum arbeiten. Fehlende Arbeitsprogramme tragen ihr übriges dazu bei, und hier kommt Microsofts Ansatz, der sich so grundsätzlich davon unterscheidet: Durch die Cover mit integrierter Tastatur und, bei der Pro-Version, gehobene Leistung, könnten es Arbeitsgeräte werden. Gerade diese Cover lassen Apple einmal in Sachen Innovation ziemlich alt aussehen. Hinzu kommt ein maßgeblicher Unterschied: Office 13, das demnächst erscheint und auch für Tablets optimiert sein wird. Man begibt sich also nicht zwangsläufig in direkte Konkurrenz zum iPad, sondern erschafft sich eine Nische, die man durchaus gut ausfüllen kann. Und natürlich werden sich die Microsoft-Tablets auch als Luxus- und Spaßgeräte nutzen lassen, wenn man gerade nicht arbeitet.

Wie gut Microsofts Surface-Reihe letztendlich ankommt, bleibt abzuwarten. Der erste Eindruck ist durchaus positiv und unterscheidet sich aufgrund der Software und des Zubehörs einmal auf angenehme Weise von Apples iPad, wenngleich nur im Detail. Microsoft versucht den schwierigen Spagat zwischen Tablet- und PC-Windows, und daran hat sich bislang nicht einmal Apple versucht, denen so etwas tendenziell eher zuzutrauen wäre. Zusammen mit der großen Entwicklergemeinschaft, dem kommenden Windows App Store und einer ganzen Menge Erfahrung
im PC-Markt könnte es Microsoft gelingen, doch gilt es auch, die wesentlich zahlreicheren PC-Nutzer zufrieden zu stellen, die Windows 7 als Maßstab ansetzen. Theoretisch liegt eine Menge Potenzial in diesem Konzept und ist nicht unerheblich für Microsofts Zukunft und Vormachtstellung im PC-Bereich, doch das letzte Urteil treffen die Kunden.Den „iPad-Killer“ haben andere schon oft versucht, jedoch bislang immer erfolglos. Gemeinsam mit Barnes & Noble könnte Microsoft eine ähnliche App- und Buchvertriebsplattform wie iTunes aufstellen, vielleicht später ergänzt um Musik und Filme, die zusammen mit dem Zwischenspiel der Soft- und Hardware aus eigenem Hause auch wieder in Märkten, in denen man demletzt Boden verloren hat, Microsoft wieder oder erstmals zu einer ernstzunehmenden Größe in diesen Märkten macht.

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