Längst nicht überall entwickelt sich der eBook- Markt so schleppend wie bei uns in Deutschland. Aber auch bei uns werden immer mehr eReader, also Geräte, die allein auf das Lesen von eBooks ausgelegt sind, angeboten. Allen voran der Kindle von Amazon.
Andere Märkte hingegen wachsen ebenfalls; so auch der der Tablet-PCs, wo derzeit das iPad und dessen Nachfolger iPad 2 ganz klar die Konkurrenz dominieren. Beide Gerätearten haben zwei Gemeinsamkeiten: Sie sind von ähnlicher Größe, sodass sie sich teilweise zum verwechseln ähnlich sehen und können eBooks wiedergeben. Nur hört es damit bereits auf.
Ein eReader ist eben genau das und nichts anderes. In der Regel kosten sie durchschnittlich etwa 150€, haben ein farbloses ‘E-Ink’-Display, das selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar bleibt, und nur sehr wenige Zusatzfunktionen wie beispielsweise einer Kommentarfunktion oder W-LAN. Das schlägt sich aber auch sehr positiv in den Akkulaufzeiten wieder, die, im Falle des Kindle, mit ausgeschaltetem W-LAN und einer halben Stunde Lesen am Tag, bis zu zwei Monaten betragen kann (Herstellerangabe).
Tablets sind eine andere Sache; Sie sind schwerer und teurer, zwischen 500 und 800€, wenn man ein aktuelles Modell erwerben möchte, bieten dafür aber ein Vielfaches an Einsatzmöglichkeiten. Mit einem Tablet kann man Musik hören, Filme sehen, sogar in HD, e-Mails checken und verfassen, Spiele spielen, unterwegs oder generell effektiv arbeiten oder lernen und im Internet surfen. Und falls man noch etwas anderes damit machen möchte: „Es gibt für alles eine App“.
Die Frage ist nun, welche Zielgruppen angesprochen werden sollen. Der Kindle ist kein Multitalent. Aber nicht zu vergessen: Das, was er kann, kann er richtig gut! Er kann eBooks kaufen, wiedergeben und ein bisschen kommentieren, aber das war es dann auch schon. Die kleine Tastatur unten soll zur Navigation und der Kommentierung einzelner Abschnitte innerhalb der eBooks dienen. Aber noch ein Vorteil: In der 3G-Variante, die etwas teurer ist (189€ anstatt 139€), besteht weltweit eine dauerhafte Internetverbindung zum Kindle-Store – ohne Zusatzkosten. Also kann man immer da neue Bücher shoppen, wo man ist. Und wenn man eben mal im Urlaub in Paraguay ist.
A propos Urlaub: Natürlich ist es sehr praktisch, 50 Bücher in 221 Gramm mit in den Urlaub nehmen zu können, aber das ist ein genereller Vorteil von eBooks und weniger einzelner Devices. Das heißt im Umkehrschluss: Der Kindle ist etwas für Leseratten und Vielurlauber. Und längst nicht für alle davon. Dennoch ist er sehr beliebt; nicht umsonst ist er Amazons Topseller. Er deckt eine langsam größer werdende Nische ab – und zwar gut. Aber: Kindle ist ein Fachidiot, der von „günstig“ weit entfernt ist. Allerdings ist die Nische bereits ziemlich groß. Dennoch verkaufen sich eReader in den USA noch besser als Tablets. Das dürfte nicht zuletzt an den weit günstigeren Einstiegspreisen liegen.
Allerdings beziehen sich diese Daten auf Studien aus der „Prä-iPad2-Ära“. Will sagen: Das erste iPad war ein Kassenschlager, aber das iPad 2 lässt das erste wie ein Witz aussehen. Es scheint, als habe die erste Generation die Massen begeistert, aber viele auf den ausgereifteren Nachfolger warten lassen.
Man muss wirklich viel lesen, um bei den deutschen eBook- Preisen, die sich dank der Buchpreisbindung nahe am Preis der jeweiligen gedruckten Variante bewegen, den Kaufpreis rauszuholen.
Allerdings: Wenn man unbedingt bei Amazon kaufen will, ohne einen Kindle kaufen zu müssen, gibt es für so ziemlich jedes Gerät, ob Tablet, PC, Mac oder Smartphone, eine kostenlose App, die genau das möglich macht. Oder man lädt direkt auf der Seite von Amazon und zieht die erworbenen eBooks danach manuell auf das Gerät seiner Wahl.
Das iPad ist ein anderer Fall. Besucht man Apples Homepage und geht auf die Partition für das iPad, sieht man, wenn man sich ein bisschen durchklickt, überall lachende Jugendliche und Kinder. Unten rechts prangen zwei große Buttons: „iPad in Unternehmen“ und „iPad im Bildungsbereich“. Damit sind die Zielgruppen recht deutlich abgesteckt: Unternehmer und Studenten. Letztere werden sogar durch besondere, attraktive Rabatte zusätzlich geködert. Offiziell hat Apple natürlich keine Zielgruppe, sondern möchte etwas für jedermann bieten. Klar. Sieht man sich noch die Werbespots an, kann man „junge Familien/Haushalte“ noch hinzufügen.
Was Apple wider Erwarten (weil wohl keiner daran gedacht hat) gelungen ist: Die Senioren als Zielgruppe zu gewinnen. Eigentlich keine sonderlich große Überraschung, denn es ist einfach und intuitiv zu bedienen, der Umgang ist zudem in nur wenigen Minuten flüssig und fühlt sich wie selbstverständlich an. Dazu deckt es die informativen sowie kommunikativen Grundbedürfnisse ab (außer telefonieren): Wetter, Nachrichten, ggf. e-Mail und so weiter. Natürlich entdeckt auch unter den Rentnern jeder für sich weitere Funktionen, die ihm gefallen. Manko ist natürlich, dass man einen PC zur Inbetriebnahme und zum Datentransfer benötigt (zumindest, bis im Herbst iOS5 veröffentlicht wird), was viele nicht haben. Und generell: Das, was die iPad-Senioren schätzen, gilt genauso für alle anderen Nutzer.
Das iPad soll ein Arbeitsgerät mit Unterhaltungspotenzial sein, das uns die tägliche Arbeit, gleich ob Business oder Studium, erleichtern soll, zu Hause aber genauso als Info- und Medienzentrale eingesetzt werden kann. Nicht zuletzt vielleicht sogar als Ersatz für einen PC, den viele einfach nicht brauchen, weil sie Dinge, die sie sonst am PC erledigen würden, auch mit einem iPad komfortabler erledigen können. Man muss kein Lesewurm sein, um ein iPad zu wollen. Aber so gut wie alle Zielgruppen, ob Studenten, Business-Men oder Senioren, dürften auf mittellange Sicht das eBook für sich entdecken. Der Student muss keine acht Bücher mehr mit sich herum tragen, wenn er unterwegs an seiner Hausarbeit schreiben möchte, der Business-Men hat alle relevanten Texte und Bücher immer an einem Ort dabei und Senioren wissen vielleicht das geringe Gewicht und die einfachen Zoomfunktionen zu schätzen, die allesamt das Lesen sehr erleichtern.
Das bedeutet: Es gibt viele Gründe, sich ein iPad zu kaufen. Der eine findet es einfach cool, der andere sieht eine sinnvolle Ergänzung für sein Studium/Business und noch einer befindet seinen PC für überflüssig, weil er damit doch nur im Internet surft, mailt und socialt – das kann er auch mit dem iPad, und zwar ultramobil – oder eben auch alles davon. Bis zu 8 Stunden Betriebsdauer sind nicht zu verachten und heben das iPad gegenüber der Tablet – Konkurrenz noch einmal deutlich hervor. Und nebenbei, bevor wir es vergessen, gibt es da noch iBooks und die Kindle- App. Ein iPad gewährt Zugang zu den gleichen Inhalten wie ein Kindle – kann aber gleichzeitig unendlich viel mehr. Das iPad verbreitet sich rasend schnell – an den Lieferzeiten, die Apple zwischenzeitlich angegeben hat, erkennt man, dass nicht einmal der Hersteller mit einer derartigen Nachfrage gerechnet haben dürfte.
Auf den Punkt gebracht: Beide Geräte sind erfolgreich. Der Kindle ist der #1 Verkaufsschlager bei Amazon und das iPad macht Apple auch nicht gerade ärmer. Allerdings kaufen nur wenige Kunden ein Tablet und einen eReader dazu. Wozu auch? Man kauft in der Regel wohl eher ein Tablet nach. Obwohl das iPad einem eReader in Puncto Akku und draußen lesen unterlegen ist, lässt es Kindle & Co. hinter sich, was Einsatzgebiete und Funktionen angeht.
Es ist nicht nur ein Nischenprodukt, sondern deckt eine Menge Zielgruppen ab. Es verbreitet sich schneller und häufiger. Allein im März, als das iPad 2 veröffentlicht wurde, wurden beinahe drei Millionen Exemplare gekauft. Und nicht zu vergessen die steigende Zahl von Konkurrenztablets, die zwar vieles anders machen als das iPad, in ihren Grundfunktionen jedoch sehr ähnlich sind. Zwar haben wir in diesem Artikel nur die Platzhirsche beider Branchen verglichen, doch darf man nicht vergessen, dass es von beiden Arten noch viele weitere gibt, die ihren Teil beitragen.
eBooks lesen ist nur eine von vielen Funktionen, weswegen die Tablets, wovon das iPad auch nur eines ist, einen leichteren Stand haben werden als eReader. Die eBooks werden vermutlich durch den regelmäßigen Umgang mit den Tablets eher schleichend von den Nutzern als normal wahrgenommen und somit wirklich adaptiert werden.
Wie sich diese Entwicklung tatsächlich vollziehen wird, bleibt vorerst noch abzuwarten. Bislang haben laut einer Studie eReader die Nase vorn, allerdings zu einer Zeit, als das iPad 2 gerade mal in den Startlöchern stand und die Android-Konkurrenz nicht allzu stark vertreten war.
Unsere Prognose: Tablets werden die eReader hinter sich lassen und maßgeblich zur Etablierung des eBooks beitragen.



