Die eBooks sind in den USA derzeit mit Abstand am beliebtesten. Ende 2010 besaßen immerhin schon 8 Prozent der Haushalte mit Internetanbindung (lediglich diese waren testrelevant) einen eReader. In den darauf folgenden 12 Monaten, bis Ende 2011, hat sich dieser Wert auf 20 Prozent gesteigert, was einem Wachstum von 250 Prozent entspricht. Das sind die Ergebnisse einer Marktanalyse des TDG.
Allerdings gehen die Verantwortlichen dieser Studie von einer Verringerung dieses Wachstums aus, da Tablet-Computer ihrer Meinung nach eine feste Alternative für viele Käufer der Zielgruppe darstellen sollen.
Ob das so zutrifft, bleibt abzuwarten. Ein Tablet-PC ist in erster Linie dazu geeignet, multimediale Inhalte wie Videos und Musik zu konsumieren und im Internet zu surfen. Durch den Einsatz der richtigen Gadgets (wie zum Beispiel Stylus, Bluetooth-Tastatur) und Apps lassen sie sich für bestimmte Berufs- oder Hobbygruppen auch als Arbeitsgeräte gebrauchen, besonders im Bereich der Textverarbeitung als mobiler Notebook-Ersatz. Ein eReader hingegen erfüllt kaum eine weitere Aufgabe als das Lesen von Büchern und anderen langen Schriftstücken, und das mit einer von jedem Tablet unerreichten Brillanz. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Lektüre mittellanger Texte auf dem neuen iPad durchaus praktikabel ist, bei längeren Texten oder Büchern jedoch bald auf die Augen geht, trotz des unglaublich guten Displays. Dafür möchte ich es für alle anderen genannten Aufgaben nicht mehr eintauschen oder hergeben. Wenn es jedoch um das Lesen von Büchern etc. geht, ziehe ich jederzeit einen eReader oder ein gedrucktes Buch dem iPad vor.
Eine andere These besagt, dass sich eReader und Tablets in naher Zukunft technisch sehr stark annähern werden, sodass die Unterschiede marginal bis nicht mehr vorhanden schwinden. Das erscheint ausgesprochen unwahrscheinlich. Ein großes Kaufargument für eReader ist ihr Preis, der sich hierzulande zwischen 100 und 130 Euro eingependelt hat – das ist immer noch recht teuer, aber kein Vergleich zu Tablets, die oft erst bei 500 Euro starten. Auch die Displays unterscheiden sich maximal: legt man einen eReader neben das Retina-Display des iPads wird man kaum Gemeinsamkeiten oder Ähnlichkeiten finden. Das muss auch gar nicht, denn erstens ist die Technik der eReader wesentlich anders als die der Tablets, und zweitens muss man hier auf die unterschiedlichen Einsatzgebiete verweisen. Ein e-Ink-Display wird niemals über die satten Farben und die hohe Auflösung eines High-End-Tablets verfügen. Aber das muss es auch nicht.
Zudem bleibt der Preisfaktor. Ein Kindle kostet lediglich ein Sechstel dessen, was mein iPad gekostet hat, eine zusätzliche Anschaffung wäre also für Tablet-Besitzer in den wenigsten Fällen ein Problem. Tablets fördern den eBook-Boom (wir berichteten) stattdessen, also scheinen Tablets weniger eine feste Alternative zum eReader zu werden, als viel eher das Sprungbrett, das zu einer weiteren Anschaffung führt. Nicht jeder Tablet-Besitzer schafft sich das Gerät zum Lesen an, mag aber von den Erfahrungen positiv überrascht werden und sich dann für ein ‘professionelleres Gerät’, also einen eReader, entscheiden. Die Zahlen der Marktanalyse sind durchaus interessant und stimmen positiv, doch die Prognose mag zunächst ein wenig übereilt erscheinen. Vielleicht wird das Wachstum etwas abschwächen, doch wohl kaum wegen der Tablets, die sich als feste Alternative etablieren.



