Post image for eBooks nach Maß – eReader senden Daten über Leseverhalten

eBooks nach Maß – eReader senden Daten über Leseverhalten

3. Juli 2012

Die meisten eReader verfügen inzwischen über integriertes W-LAN, um es dem Kunden einfacher zu machen, eBooks direkt zu kaufen und auf sein Lesegerät zu laden. Was den wenigsten dabei in den Sinn kommt ist, ob das Gerät vielleicht alles, was wir damit anstellen, auch aufzeichnet – und sendet. Tatsächlich sammeln viele eReader tatsächlich Daten über das Leseverhalten der Nutzer: Lesezeit, Geschwindigkeit, wo und wie oft werden Notizen gesetzt und wo brechen Leser am häufigsten ab – all das geht raus und wird – zwar anonymisiert – an Verlage weitergeleitet, die damit produktiv arbeiten.

Kritiker monieren zum einen natürlich den Datenschutz und die Privatsphäre der Kunden, zum anderen aber auch die Vielfalt des Buches. Letzteres bedeutet konkret, dass man fürchtet, der Buch-Markt werde konsequent anhand der so gesammelten Daten angepasst und nur noch massentaugliche Literatur angeboten.

Branchenkenner geben dabei allerdings zu bedenken, dass in dieser Praxis auch durchaus Potenzial liegt, bei der Optimierung der Lesbarkeit und Verständlichkeit von Sachbüchern zum Beispiel. Als erstes Resultat seien bereits anhand solcher Daten überarbeitete Sachbücher mit verkürzten, prägnanteren Texten auf den Markt gekommen. Bei Romanen läge die Sache etwas anders, da im letzten Fall immer noch die Autoren entscheiden würden, ob sie speziell für den Massenmarkt schreiben oder sich auf eine eigene Art davon absetzen möchten.

Die Frage ist, ob die Verlage  Autoren auch weiterhin die Freiheit zugestehen wollen, sich die Zielgruppe „aussuchen“ zu können. In einigen Fällen könnte so ein Verlag anhand seiner Erfahrung und Datenverarbeitung entscheiden, mehr Profit durch eine „Vermassentauglicherung“ der meisten Titel durch die eigenen Lektoren erzielen zu wollen. Autoren, die sich dem nicht beugen möchten, könnten dann einfach nicht verlegt werden. Das  wäre natürlich der worst case, doch eine zumindest mögliche Richtung, in die es gehen könnte. Andererseits bleibt in dieser Hinsicht immer noch die Hoffnung bei den Urheberrechtlern und der starken Buchbranche in Deutschland, die einem solchen Trend vermutlich entschieden entgegen treten würden-

Hinterlasse einen Kommentar