Post image for eBooks: Entwicklung unerwünscht

eBooks: Entwicklung unerwünscht

21. Februar 2012

Die Vorgeschichte: der kleine Berlin Story Verlag heckt ein interessantes Experiment aus, das man bereits aus der Musikbranche kennt. Kern der Sache ist, ein eBook („Der Letzte macht das Licht aus“) kostenfrei zum Download anzubieten, den Käufer jedoch dabei zu Spenden zu animieren, sei es eine Paypal-Überweisung oder das Einsenden von Naturalien, wie Süßigkeiten. Das Projekt von Berlin Story musste dann aber, nach einem erfolgreichen Start, schnell wieder abgebrochen werden.

Verstoß gegen die Buchpreisbindung

Nach wenigen Tagen konnten über 200 Exemplare abgesetzt werden – eine stattliche Menge für einen kleinen Verlag. Allerdings durfte das Experiment nicht bis zum Ende durchgeführt werden, weil eine Anwaltskanzlei im Auftrag eines Konkurrenten eine Abmahnung wegen Verstoß gegen das Buchpreisbindungsgesetz eingeschickt hatte. Darin wurde das Konzept zwar als „recht originell“ betitelt, aber dennoch gesetzwidrig. Juristisch mag das auf einer einwandfreien Grundlage beruhen, aber die Art des Vorgehens kann dennoch diskutiert werden.

Festhalten an veralteten Mustern

Vorher gab es laut Geschäftsführer Enno Lenze keine Reaktion seitens der Konkurrenz, sondern direkt das Anwaltsschreiben, was ihn mit Unverständnis erfüllt. Das erscheint nicht weiter verwunderlich, schließlich ist der größte Kritikpunkt an eBooks, jedenfalls in Deutschland, ihr viel zu hoher Preis, der sich stark an den der Print-Books orientiert. Vordenker, wie Berlin Story, die herausfinden wollen, was den Kunden ein eBook wert ist und so an neuen Strategien feilen, werden aber von Verteidigern der Buchpreisbindung kontinuierlich ausgebremst.

Das leidige Thema Buchpreisbindung

Die Buchpreisbindung dient dem Schutz geistigen Eigentums vor dem Werteverlust. Das ist zwar keineswegs weltweiter Standard, aber ein vernünftiger Grundgedanke, der den Urhebern, also den Autoren, entgegen kommt, die letztlich auch etwas von ihrem Schaffen haben sollen. Allerdings hat sich die Medienlandschaft verändert, die Ansprüche sind gewachsen und die Medien selber sind zahlreicher geworden, bzw. haben sich transfomiert, seien es digitale Musikdownloads anstatt CDs oder digitale Bücher anstatt der Print-Versionen. Der Buchhandel allerdings stagniert in den „guten, alten Zeiten“ und vermeidet entschieden jegliche Evolution – wie ihrerzeit die Musikbranche. Heute sind digitale Downloads neben CDs keine Exoten mehr, sondern ein weiterer, lukrativer Vertriebsweg. Der Vorteil der Musikindustrie: Keine Preisbindung, das heißt, Downloadtitel können deutlich günstiger angeboten werden als Tonträger, was angemessen erscheint. Die Buchbranche könnte so viel von diesem Beispiel lernen und übernehmen – wenn es denn den Willen dazu gäbe. Das Beispiel von Berlin Story zeigt jedoch, wie sehr zumindest manche Branchengrößen in ihrem veralteten Denken verharren und jeglichen Fortschritt verhindern wollen.

Hinterlasse einen Kommentar