Die Idee ist simpel: Besitzer eines Amazon Kindle oder eines Geräts, das die Kindle-App unterstützt (als kompatibel für dieses Modell nennt Amazon sämtliche verbreiteten Geräte: PC, Mac, iPad/Phone, Android-Geräte, Windows Phone 7 und Blackberry), sollen künftig die für ihre Arbeit benötigten eBooks einfach leihen können anstatt sie kaufen zu müssen. Natürlich fallen dabei Gebühren an.
Dennoch soll man so bis zu 80 Prozent gegenüber dem Kaufpreis sparen können.
Die Zielgruppe scheint, obwohl von Amazon nicht ausdrücklich erwähnt, klar: Studenten. Gerade für umfangreiche wissenschaftliche Literatur, die durchaus mit mehr als einhundert Euro pro Buch zu Buche schlagen kann und man eher seltener braucht, wäre das ein großer Vorteil. Bei solchen Preisen tröstet auch die Ersparnis des eBooks nur wenig. Abgerechnet werden soll nach Tagen. Die Leihzeiträume bewegen sich laut Amazon zwischen 30 und 360 Tagen. Interessantes Zusatzangebot: Notizen und Anmerkungen, die man innerhalb der App oder mit dem Kindle macht, sollen in der Amazon-Cloud gespeichert und jederzeit zugänglich sein – und bleiben, über die Leihdauer hinaus.
Denkbar einfach gestaltet sich die Leihe, genau wie der Kauf:
Nachdem man die Kindle-App für das Gerät seiner Wahl heruntergeladen hat, sucht man sich bei Amazon das gewünschte eBook. Neben dem Kauf-Button soll fortan auch der Miet-Button erscheinen. Wählt man diesen aus, erscheint ein Kalender, auf dem man einfach den gewünschten Abgabetermin auswählt. Über dem Mauszeiger zeigt dann ein Pop-Up-Fenster den für den gewünschten Zeitraum anfallenden Betrag an.
Die Idee ist nicht nur simpel, sondern kann wirklich sinnvoll sein. Gerade für Hausarbeiten arbeitet man sich als Student intensiv in ein Thema ein, das man später nie wieder aufgreift. Auch die großen Bibliotheken haben von den teilweise sehr teuren Büchern bestenfalls sehr wenige Exemplare, wenn nicht nur ein einziges, das auch schon verliehen sein kann. In dem Fall wäre die Miet-Option bei Amazon eine sehr hilfreiche Alternative, die viel Geld, und vor allem Nerven, sparen könnte.
Ob auch belletristische Literatur in dieses Angebot aufgenommen werden soll, bleibt derzeit offen. Eigentlich wäre es ein Minusgeschäft, denn ein eifriger Leser hat einen Roman wohl unter 30 Tagen ausgelesen und würde sich über die 80 Prozent Ersparnis sicherlich freuen. Aber vermutlich ist sich Amazon dieser Unwirtschaftlichkeit bewusst. Bei den Preisen für teure wissenschaftliche Literatur werden sie wohl bei der Ersparnis mehr Einnahmen erzielen, da die Kosten vermutlich viele Studenten abschrecken und doch in die Bibliothek gehen lassen.
Dahingestellt sei allerdings die Ersparnis gegenüber dem Kauf, wenn man sich wirklich für ein 360-Tage-Mieten entscheiden sollte. Sicher ist jedenfalls: 80 Prozent spart man dann nicht mehr.
Zunächst geht das Angebot allerdings nur bei amazon.com an den Start. Beim deutschen Amazon sucht man derzeit noch vergeblich.
Sollte sich das Modell auszahlen und die eBook-Kultur in Deutschland etwas weiter fortgeschritten sein, also mehr relevante Titel und Publikationen für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung stehen, ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis amazon.de nachzieht.
In jedem Fall hat Amazon hier wieder als erstes eine innovative Idee verwirklicht. Mal sehn, wie sich das Modell entwickelt.
Wie sehen Sie das neue Modell von Amazon?



