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Das liebe Leid mit dem Urheberrecht

11. Mai 2012

Im Zusammenhang mit eBooks kommt regelmäßig der Begriff „Piraterie“ auf. Am Beispiel der Musik- und Filmindustrie, die längst digital etabliert ist (Beispiel: iTunes) skizzieren Urheber wie Publisher düstere Szenarien, wie das eBook ohne  DRM-Maßnahmen zwangsläufig zu einem weiteren Pirateriegut werden müsste, obgleich diese DRMs zumeist ausgesprochen kundenunfreundlich sind.

Obwohl vom Grundprinzip nicht grundlegend anders als Film und Musik, versteht sich die Buchbranche grundlegend anders, nämlich mit dem Buch als Kulturgut – dabei mag dieses Argument, dieses „Kulturgut“, natürlich auch oft genug lediglich als Kampfparole missbraucht werden. Verlage sowie viele Autoren fürchten um ihre Einnahmequellen, besonders erstere allerdings vermeiden Strategien, die eine Anpassung des Geschäftsmodells an aktuelle Begebenheiten ermöglichen würden. Im Gegenteil, sie pochen auf dem Urheberrecht und der Buchpreisbindung und kriminalisieren die sogenannte „Netzgemeinde“ (ich habe bis heute keine Ahnung, was damit eigentlich gemeint sein soll. Bin ich Teil dieser Gemeinde, weil ich meine Musik bei iTunes kaufe und das Internet benutze?).

Fakt ist: die Zeiten sind heute anders als 1888, dem Dreikaiserjahr, als die Buchpreisbindung eingeführt wurde. Die Frage ist nicht, ob sich das Buchwesen dagegen behaupten kann, sondern, wie lange noch. Die Musikindustrie hatte mit sehr ähnlichen Problemen zu kämpfen und sich auch sehr lange Zeit schwer getan, eine praktikable Lösung zu finden. Heute gibt es Flatrate-Streamingdienste, Download-Flatrates oder einzelne Songs für unter einem Euro – und es funktioniert.

Im Ausland, wie den USA beispielsweise, ist diese Debatte übrigens völlig nichtig. Dort gibt es keine Buchpreisbindung, und die Verbreitung von eBooks ist wesentlich größer. Statistiken zufolge besitzt inzwischen jeder 5te erwachsene US-Amerikaner einen eReader – Tendenz steigend, Tablet-PCs nicht eingerechnet. Und trotzdem kommen die meisten Autoren mit Millionen auf dem Konto aus diesen Ländern – so schlecht kann das System also nicht funktionieren. Nehmen wir zum Beispiel die Fantasy-Reihe Das Lied von Eis und Feuer von G.R.R. Martin, die seit der erfolgreichen HBO-Serie A Game of Thrones auch in deutschen Bestsellerlisten auftaucht: Im englischen Original kostet das erste Buch bei uns etwa 7 Euro – darin enthalten sind die ersten beiden Bücher der deutschen Ausgabe – Kostenpunkt jeweils 15 Euro. Kurzum, auf Deutsch zahlt man für den gleichen Inhalt 23 Euro mehr. Dafür ist die Verarbeitung des Paperbacks im deutschen natürlich etwas hochwertiger, aber geht es wirklich darum?

Man könnte durchaus als Argument anführen, dass solche Preise Kunden in die Piraterie treiben würden – im Falle von Kino und CDs kam das schon öfters auf. Ob das wirklich zutrifft, sei dahingestellt. Man muss auch die andere bedenken: Autoren sind Urheber, die viel Zeit, Herzblut und Arbeit in ihre Bücher stecken – sie haben ein Recht auf eine angemessene Vergütung, bzw. darauf, die Rechte an ihren Werken zu behalten. Das sollte unstrittig sein. Die Frage ist also nicht, ob das Urheberrecht an sich abgeschafft werden soll, sondern wie es sinnvoll umgestaltet werden kann, um den Umständen und Erfordernissen unserer Zeit gerecht zu werden. Der Sinn und Unsinn der Buchpreisbindung hingegen gehört auf den Prüfstand. Sorgt das konkurrenzmeidende Preisdumping wirklich für einen stabilen Markt, oder hält es viele Kunden ab, die nicht bereit sind, für einen 600-seitigen Belletristik-Titel 15 Euro im Paperback oder bis zu 25 als Hardcover zu zahlen? Darauf eine Antwort zu finden, ist schwierig, doch wichtig. Was zu Kaisers Zeiten angemessen und vernünftig erschien, muss knapp 125 Jahre später vielleicht hinterfragt werden.

Ob Buch oder eBook mag dem persönlichen Geschmack überlassen bleiben, faktisch ist in Deutschland beides sehr teuer – lächerlich teuer im internationalen Vergleich. Deutsche Autoren fürchten eine Abkehr vom bisherigen System, weil sie es nicht anders kennen und um ihr Einkommen fürchten – gleichsam Verlage, die auf einmal nicht nur noch durch bessere Titel, sondern auch preislich miteinander konkurrieren müssten – eine bis dato ungekannte Herausforderung. Bedenklich ist und bleibt die Einteilung in verschiedene Lager und Feindbilder, sowie die mangelnde Gesprächs- und Kompromissbereitschaft einiger, die eine für alle Seiten vertretbare Lösung weiter hinauszögert und erschwert. Dennoch muss diese gesucht und gefunden werden, zum Wohle des Kulturgutes Buch.

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