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Barnes & Noble expandiert nach Europa

31. Januar 2012

Der US-Buchgigant Barnes & Noble macht derzeit schwere Zeiten durch, wie nahezu die gesamte Buchbranche. Rückläufige Absatzzahlen von Print-Books und somit zunehmend schlechte Quartalszahlen setzen, unter vielen anderen, auch dem deutschen Buchhandel immer schwerer zu. Eine Entwicklung, die nicht erst seit gestern oder diesem Jahr im Gange ist.

Die Hauptverantwortung wird klar den Internethändlern zugeschoben, allen voran, mit weitem Abstand auf den Zweitplatzierten (sofern dieser überhaupt einer Erwähnung wert sein mag): Amazon. Ursprünglich Mitte der 90er als Online-Händler für Bücher gegründet, erweiterte CEO Jeff Bezos sein Produktportfolio auf so ziemlich alles und erschuf so den wohl größten Internetladen der Welt. Seit 2007 allerdings liegt der Fokus wieder klar auf den Ursprüngen: Den Büchern.

Mit dem Kindle und der daraus folgenden Orientierung auf eBooks konnte sich Amazon besonders in diesem Marktsegment als Weltmarktführer etablieren. Der Kindle-eReader und das Tablet Kindle Fire (nur USA) verkaufen sich in absoluten Rekordzahlen. Und trotzdem werden natürlich auch weiterhin Print-Books bestellt, was aufgrund der Portofreiheit (in Deutschland zumindest) auch oft bequemer und sinnvoller erscheint, als erst in die Stadt zu fahren, um einen Buchladen aufzusuchen.

Gegen diesen Emporkömmling müssen sich nun also etablierte und alteingesessene Verlage und Buchhändler behaupten. Barnes & Noble hat als einer der ersten das schlummernde Potenzial dieses neuen Marktsegmentes erkannt – und die daraus resultierende Bedrohung. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist auch nicht unbedingt unerfolgreich: Die Nook-eReader sind durchaus attraktive und gute Geräte, der dazugehörige Webshop ebenfalls. Als Antwort auf den Kindle Fire im November folgte alsbald das Nook Tablet, das um die gleiche Kundschaft buhlt.

Nur in einem Belang konnte B&N bislang nicht mit Amazon gleichziehen, was leider zugleich auch die größte Schwachstelle ist: Amazon ist ein Global Player, der sowohl in den USA als auch in Europa dominant ist. B&N agiert nur in den USA und Kanada. Amazons ‘Kriegskasse’ für die USA wird von Europa mitgefüttert, während B&N vergleichsweise nur bescheidene Einnahmen und Finanzmittel aufbringen kann.

Doch nun scheint B&N endlich genau dieses Problem erkannt zu haben. Offenbar steht der US-Buchgigant derzeit in Verhandlungen mit der britischen Handelskette Waterstone’s, die in ihren ungefähr 300 Filialen dann Nook-Geräte anbieten soll. Der Schritt ins gleichsprachige Ausland ohne eigene Filialen mag zunächst nur ein kleiner Schritt sein, doch es ist ein Schritt. Der Erfolg oder Misserfolg des Nooks wird maßgeblich zu der Entscheidung über das weitere Vorgehen in Europa beitragen. Ein Vorteil gegenüber Amazon wäre allerdings das Nook Tablet, das so auch in Europa erhältlich wäre – bislang ist nicht bekannt, wie Amazon mit der Vermarktung seines Kindle Fires außerhalb der USA verfahren möchte.

Amazon würde ein stärkerer Konkurrent gut tun, doch wie gut der ohnehin schwächelnde deutsche Buchhandel, der seinerseits mit Kaufrückgängen und einer anscheinend natürlichen Aversion gegen die Digitalisierung seines Portfolios zu kämpfen hat, einen weiteren starken Mitbewerber verkraften könnte, ist eine andere Frage.

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