Amazon ist inzwischen ein fester Bestandteil der eBook-Branche geworden, insbesondere in den USA. Das Angebot an eBooks ist enorm und ausgewogen, und der Kindle gehört zu den besten eReadern überhaupt. Allerdings ruht sich Amazon nicht auf diesen Lorbeeren aus, sondern geht den nächsten Schritt von den eReadern zu den Tablets. Das erste Modell der „Kindle“-Tablets soll noch dieses Jahr erscheinen und wird heute um 16 Uhr offiziell vorgestellt. Dieses wird „Kindle Fire“ heißen und soll Anfang bis Mitte November auf den Markt kommen.
Die 7 Zoll große Einsteigervariante soll jüngsten Gerüchten zufolge nur um die 180€ kosten – das günstigste iPad 2 startet bei etwa 500€! Anfang 2012 soll dann die 10 Zoll-Version auf den Markt kommen, die dann etwas teurer wird.
Inzwischen ist auch bekannt, dass Amazon zur Herstellung des Fires mit dem taiwanesischen Hersteller Quanta zusammen arbeitet. Quanta ist einer der größten Zulieferer für Marktmächte wie Apple oder Dell – und RIM („Research in Motion“; Blackberry). Für letztere baut Quanta das Tablet Playbook (ebenfalls 7 Zoll groß). Genau darauf basiert der Fire – und das ist sehr gut, denn obwohl das Playbook ein Regalhüter ist, hat es gleichwohl von der Fachpresse sehr gute Bewertungen bekommen. Preislich liegt das RIM-Tablet immer noch deutlich über der 400€-Grenze, was den Fire deutlich attraktiver macht.
Anfang nächsten Jahres wird dann die 10 Zoll große Version des Fires auf den Markt kommen, die vermutlich ebenfalls auf dem Playbook basieren wird, um sich, wie von Amazon angekündigt, in den direkten Konkurrenzkampf mit dem iPad zu stürzen.
Als Betriebssystem verwendet Amazon Android 2.1, weil das extra für Tablets entwickelte Android 3.0 „Honeycomb“ durch Ruckler und andere Aussetzer negativ auffällt. Über dieses Android 2.1 soll Amazon eine eigene Oberfläche gelegt haben, sodass der Androide nicht mehr identifizierbar sein soll. Damit verliert der Fire allerdings auch die Möglichkeit, Apps aus dem Android-eigenen Webstore zu beziehen, sondern muss stattdessen auf den Amazon App Store zugreifen.
Amazon wagt sich mit dem Fire in einen neuen Marktbereich vor, der dem hauseigenen eReader Kindle durchaus Konkurrenz machen könnte. In den USA sind eReader fast schon ein alter Hut. Dort kam der erste Kindle schon 2007 auf den Markt.
Allerdings war der Kindle erst ab 2009 in Deutschland bestellbar (und auch nur als Import aus den USA) und wird erst seit April 2011von Amazon.de angeboten. Sprich, seine wirkliche Verbreitung und Bekanntmachung erfolgte in Deutschland erst zeitgleich mit der Veröffentlichung des iPad 2. Der Kindle Fire könnte hierzulande den eBooks zum Durchbruch verhelfen – Der Preis ist für die gebotene Leistung und Qualität absolut einzigartig und, gemessen an seinem Leistungsumfang, nur wenig teurer als ein Kindle 3G. Dazu kommt das sehr umfassende eBook-Angebot von Amazon, das zu den umfassendsten in Deutschland gehört.
Der Fire hat das Zeug, um Amazons ganz großer Coup zu werden. Erstens im Tablet-Bereich, wo Preis und Leistung bisher einzigartig sind und zweitens bei den eBooks, die somit für Käufer eines Fire weit attraktiver werden. Vielleicht werden die Absatzzahlen des Kindle leiden, aber durch den Mehrpreis des Fire dürfte das Amazon nicht sonderlich schmerzen.
Sollte Amazon halten, was es verspricht, dürfte der Kindle Fire einschlagen wie Granatenhagel.



