Amazon startet eigenen Buchverlag

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18. Oktober 2011

Bereits im August berichteten wir, Amazon bereite sich darauf vor, Autoren fest unter Vertrag nehmen und deren Werke auch physisch, also als gedrucktes Buch, vertreiben zu wollen. Genau das soll nun in den nächsten Monaten geschehen. Amazon möchte in diesem Zeitraum mehr als 120 Print-Books, zusätzlich zu den jeweiligen eBooks, verlegen, drucken und in seinem Shop veröffentlichen. Das Angebot soll bereits Belletristik und Sachbücher beinhalten.

Bereits das Kindle Direct Publishing dürfte den Verlagen ein Dorn im Auge gewesen sein, doch spätestens jetzt mausert sich Amazon zu einer ernsthaften Konkurrenz, wenn nicht gar Bedrohung der amerikanischen Verlagshäuser. Bisher sind nur amerikanische Autoren bekannt, die Amazon unter Vertrag genommen hat, doch dürfte Amazon bald auch ausländische Schriftsteller für sich begeistern wollen, wenn das Modell Erfolg zeigt. Das scheint sich mitunter auch durchaus zu lohnen, denn gerüchteweise hat sich Amazon die Rechte für die Biografie der US-Schauspielerin Penny Marshall, die im Rahmen der ersten Welle erscheinen wird, stolze 800.000 US-Dollar kosten lassen.

Die Buchbranche freilich freut sich nicht über diese Pläne. Als praktisches Beispiel soll der deutsche Buchhandel dienen: Obwohl immer mehr Bücher verkauft werden, müssen immer mehr Buchhandlungen geschlossen werden. Thalia zum Beispiel schließt immer mehr Zweitstellen in vielen Städten. Der Grund: Das Problem der Buchhändler liegt nicht bei den eBooks, die ihnen Anteile stehlen, sondern am Online-Versand. Die Preise sind überall die gleichen und Portokosten werden für Bücher oft erlassen. Natürlich ist Amazon der Hauptschuldige. Nun begibt sich Amazon in die nächsthöhere Instanz – wenn es die Buchhändler ausbremsen kann, warum nicht auch die Verlage? Die Infrastruktur und das Vertriebsangebot von Amazon stehen denen der Verlage um nichts nach. Die Werbemöglichkeiten, von denen Autoren bei dem Online-Riesen profitieren könnten, dürften mitunter sogar besser sein.

Amazons Achillesverse könnte die Qualitätssicherung bleiben. Aber eigentlich dürfte man davon ausgehen, dass Amazon sich darüber Gedanken gemacht und Lektoren eingestellt hat, um seine Vertragspartner angemessen zu betreuen. Amazon dürfte selbst damit nicht über Nacht die Verlage ausschalten und sämtliche Autoren anziehen wie die Fliege das Licht, sich aber recht zügig zu einem weiteren Big Player der Verlagshäuser aufschwingen können.

Amazons globale Vernetzung könnte allerdings zu einem großen Vorteil gegenüber den Verlagen werden. In allen Ländern, in denen Amazon präsent ist, kann es auf die gleiche Infrastruktur für die Werke zurückgreifen, sobald sie nur übersetzt sind – gerade das dürfte für Amazon keine große Hürde darstellen.

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